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„Mit jeder Faser: Forscher

Im Reich der Fantasie!“


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iebe Leserin, Lieber Leser,

an dieser Stelle sollte eigentlich eine aussagekräftige Biografie stehen, tut sie aber nicht. Für Interessierte findet sich diese an anderer Stelle im Internet, etwa in der Datenbank des Westfälischen Literaturbüros in Unna, beim Friedrich-Bödecker-Kreis oder auf den Seiten der Arbeitsgemeinschaft für Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM).


Deswegen steht dieser Platz nun für einen anderen, vielleicht etwas persönlicheren Zweck zur Verfügung. Weniger um Daten soll es gehen, als um mir wichtige Aspekte der Schriftstellerei.

Bei meinen zahlreichen Schullesungen werde ich von Kindern immer wieder gefragt, wie der Alltag eines Autors aussieht? Wie lange dauert es, bis ein Buch fertig ist? Woher kommen die Ideen für Geschichten? Und warum um Himmels Willen heißen die Etepetete-Vögel Etepetete-Vögel?

Fragen über Fragen. Nachfolgend will ich versuchen, ein paar Antworten zu geben. Vielleicht auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden.

Im Augenblick lebe ich mit meiner Frau und unseren beiden Kindern in Ruppichteroth in einem uralten, etwas schiefen Haus, in dem bereits meine Urgroßeltern lebten. Und jede wurmstichige Treppenstufe erzählt unablässig Geschichten vom Kleinen wie von der weiten Welt! Rings um den Ort erstreckt sich eine regelrechte Kinderbuchlandschaft: wellige Hügel, von Hecken gesäumte Weiden, Waldstreifen, Bäche und verwunschene Steinbrüche. Also die ideale Gegend, um Bücher zu schreiben. 

Aber die Idylle allein reicht noch nicht, um eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Zum Kleinen muss das Umfassende hinzutreten. Und deswegen zieht es meine Fantasie immer wieder in die Welt hinaus. Damit sie mir dabei nicht verloren geht, reise ich ihr hinterher.

In den letzten Jahren habe ich in Ostafrika als Workcamp-Leiter gearbeitet und dabei Land und Leute kennen gelernt. Nun ist Nairobi nicht gleich Ruppichteroth. Aber irgendwie gibt es doch viele Gemeinsamkeiten. Natürlich auch große Unterschiede. Und beides fasziniert mich: die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen den Kulturen.

Darüber habe ich wissenschaftlich gearbeitet und meine Dissertation zum Thema von Weltbildkonstruktionen in deutschen Kolonial- und Afrikaromanen angefertigt. Damit aber noch nicht genug. Denn das Abenteuer in der „Fremde“ hat mich so sehr gepackt, dass ich auch auf spannende Themen für Kinderbücher gestoßen bin. Daher kommen also einige der Ideen! 

So entstand 2001 mein erstes Kinderbuch, „Oropoi oder Wie die Paviane zu ihren roten Hintern kamen“. Mittlerweile ist Oropoi schon ziemlich herumgekommen, hat 13 Auflagen in Heft- und 6 in Taschenbuchform erlebt, wurde vom WDR als Hörspiel bearbeitet und tauchte in der Fernsehreihe „Felix und die wilden Tiere“ (BR, ARD) auf.

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Damit Oropoi aber nicht allein bleiben musste, habe ich ihm einen Gefährten erfunden, die ängstliche Hyäne Himili. Die Idee zu seiner (oder ihrer?) Geschichte kam mir wiederum in Afrika. Ich reiste gerade mit einer Gruppe durch die Massai Mara, wir hatten unseren Zeltplatz erreicht und bereiteten uns auf die Nacht vor.  Gegen Mitternacht etwa führte mich ein sehr natürliches Bedürfnis auf das Plumpsklo zwischen den Akazien. Begleitet wurde ich dorthin von unserem Askari, der mit geschulterter Panga dafür sorgte, dass wir Europäer keinem Elefanten zwischen die Beine liefen oder von einem Leoparden (deren Spuren wir zwischen unseren Zelten gefunden hatten) überrascht wurden. Tja. So saß ich da. Etwas mulmig war mir schon - die Wildnis rings um einen her, die fremden Geräusche, die tiefdunkle Nacht. Und plötzlich hörte ich es: das Lachen der Hyänen. Sie kekkerten. Sie lachten ganz nah. Irgendwie muss ich dieses Lachen persönlich genommen haben, denn in diesem Augenblick beschloss ich, es den Hyänen - literarisch - heimzuzahlen.
Da war sie geboren, die Idee der jungen Hyäne, die sich vor der Finsternis fürchtet ...

Und seit diesem Tag lassen mich die Hyänen nicht mehr in Ruhe. Vermutlich liegt das daran, dass ich immer wieder in deutschen Schulen unterwegs bin, um mich lesend und schauspielernd in meine Hyänen zu verwandeln...

Man sieht vielleicht schon, dass Reisen und Schreiben für mich unmittelbar zusammenhängen. So bin ich vor zwei Jahren in Eldoret über ein Tier gestolpert, das nun prompt zu Literatur verarbeitet wird. Und dass so ziemlich jedes Wesen, dem man begegnet, eine Geschichte zu erzählen hat, merkte ich ganz besonders eindrücklich bei einem weiteren Ausflug in die Savanne.
Da war er auf einmal wirklich dicht dran, der Dichter...

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Das Schönste am Reisen ist aber, dass man nicht nur fremde Kulturen und atemberaubende Landschaften kennen lernt, in dichte Atmosphären eintaucht,  sondern vor allen Dingen auch die Begegnung mit sich selbst und der eigenen Kultur. Diese Begegnung wird auch in der groß angelegten Abenteuer-Geschichte eine Rolle spielen, an deren zweitem Band ich gerade arbeite. Der erste Band von "Bogumils Boten" erscheint Ende August 2010 als Hardcover. Näheres zum Entstehungsprozess der Geschichte und zum Arbeitsalltag eines Autors findet sich in meinem Journal.

 

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Foto P. Wester

Ja, so ist es. Als Autor bin ich immer auf der Suche nach kleinen Wahrheiten und großen Abenteuern. Und weil dies das Spannendste ist, was ich mir vorstellen kann, breche ich immer wieder auf und gehe auf Reisen - in der Fantasie und in der Wirklichkeit.

Viel Freude beim Stöbern wünscht


Simak Büchel


P.S. Tja, warum die Etepetete-Vögel nun Etepetete-Vögel heißen, muss man sie wohl selbst fragen…