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  • Perlensprunglesung - für Erwachsene

Was wäre, wenn Sie mit Ihrem Lachen eine ganze Stadt verändern könnten?
Was, wenn bei jedem Lachen eine Perle aus Ihrem Nabel spränge?
Was, wenn Sie die Gier im Blick der anderen zu spät bemerkten ...



Perlensprunglesung

Zielgruppe:    Erwachsene

Dauer:            60 bis 70 min (oder nach Wunsch)

Art:               Szenische Lesung

Beschreibung:

Jedes gutes Kinderbuch hat so viele Ebenen, dass man
auch als Erwachsener gerne in seine Welten eintaucht.
Die "Perlensprunglesung" bietet erwachsenen Zuhörern
die Möglichkeit, einen Querschnitt aus Büchels Büchern
zu erleben. Passagen aus "Himili" und "Meister Perlboot"
werden dargeboten (siehe unten) aber auch Einblicke in
bislang Unveröffentlichtes gewährt.

Die "Perlensprunglesung" thematisiert Büchels Leben mit den
Figuren (Bsp.: mit Hyänen frühstücken), die tägliche Arbeit
am Manuskript, das Suchen und Finden neuer Stoffe (Bildteil)
und das fortwährende Engagement, Kindern Freude an Sprache
und Geschichten zu vermitteln.

Die "Perlensprunglesung" eignet sich ebenso für Erwachsene,
die den Spuren ihrer eigenen Fantasie folgen wollen,
wie für jene, die auf der Suche sind nach neuer Lektüre für
ihre Kinder.

Lassen Sie sich entführen ins Reich der Fantasie, in
welchem Simak Büchel seit Jahren als Forscher unterwegs
ist ...



"Meister Perlboot" ist eine Parabel. Atmosphärisch. Sinnlich. Und von flirrender Tiefe.

  

Pressestimmen

DIE BRÜCKE veröffentlicht in ihrer aktuellen Ausgabe eine Rezension von Georg Walz zu "Meister Perlboot":
"Eine Geschichte, die wie ein Märchen anmutet und doch so nahe an die menschlichen
Schwächen heranführt, dass sie schon wieder wahr sein muss (...)"


Jugendschriftenausschuss des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV): "Dieses Buch ist das Schönste, was ich in den letzten Jahren gelesen habe [...] denn jede Zeile, die man liest, ist: ABSOLUTES LESEVERGNÜGEN und auf ganzer Linie: ein echter literar. GENUSS!"



Das Buch

Simak Büchel: Meister Perlboot, Geest-Verlag 2. Aufl. 2007, Preis: 10,00 EUR. ISBN 3-937844-71-6

GLEICH NACH DEM KICHERN RUMORTE ES IM BAUCH DES FISCHERS,

SEIN NABEL BEGANN ZU VIBRIEREN UND EINE WINZIGE PERLE SPRANG AUS IHM HERVOR.

bild

In der verträumten Hafenstadt N geht alles seiner gewohnten Wege,

bis Herr Tschichek Grosz eines Morgens von einem Fischzug heimkehrt.

Nicht genug, dass der als Griesgram bekannte Fischer das erste Mal seit

Jahren lacht, nun rieseln ihm auch noch Perlen aus dem Bauchnabel und

stellen die ganze Stadt auf den Kopf. Ein Wettlauf um sein Lachen entbrennt

und der Tumult gipfelt in einer mondlosen Nacht auf dem Meer, in der Herr

Tschichek Grosz unter mysteriösen Umständen verschwindet ...


Leseprobe:

(Drittes Kapitel)

Der Balkon lag noch zur Hälfte im Schatten, denn gerade erst tauchte die Sonne an der rechten Häuserkante auf und lugte über die Holztische, an denen sich noch keine Gäste eingefunden hatten. Wilder Wein hatte in Jahrzehnten die Balkoneinfassung und weite Teile der bruchsteinernen Hauswand überwuchert und verzierte nun die Fassade der Grünen Qualle mit einem raschelnden Dickicht, aus dem Bienen aufschwärmten und in dem feuerköpfige Eidechsen Zuflucht suchten. Noch lagen die kleinen Reptilien platt auf dem Geländer und gierten förmlich nach den ersten wärmenden Strahlen. Dabei reckten sie ihre kupfern beschuppten Köpfe empor und zeigten den schmalen Streifen Türkis in einer Hautfalte unter ihrer Kehle. Ihre zerbrechlichen Leiber leuchteten grün oder bräunlich auf, einige wenige, meistens die zierlichsten unter ihnen, glommen beinahe golden, wenn sie, von einer unachtsamen Handbewegung aufgeschreckt, wie oszillierende Blitze zwischen den knorrigen Weinranken und Tischbeinen einher huschten.

Herr Tschichek Grosz tat es ihrem Beispiel nach und rückte seinen Stuhl in einen Sonnenflecken, woraufhin die Eidechsen auseinander flitzten und ihn durch ihre zarte Flinkheit zum Lachen reizten. Winzige Perlen kullerten ihm dabei über die Schuhe und rollten bis ins schimmernde Gewühl der Tierleiber hinein.

Herr Tschichek Grosz jedoch bemerkte nichts davon, blickte versonnen auf die Straße hinab und erfreute sich an den Ähnlichkeiten zwischen Eidechsen und Menschen. Ganz reptilienhaft huschten die Bewohner zwischen den Läden und Marktständen einher, bis sich bei einigen von ihnen sogar eine verblüffend ähnliche Rötung des Kopfes einstellte. Man ruckte und umwand sich, scharwenzelte auf einen Plausch in diese Richtung oder eilte dort in den Schatten, um einer erspähten Bedrohung auszuweichen. Herr Tschichek Grosz schmunzelte ob dieses Vergleichs und rieb sich die Hände. Dann erschien auch schon Pakmal Nump im Türdurchgang.

„Ging doch schnell, mein Freund ...“, versetzte dieser und stellte eine Steingutkanne voll dampfenden Tees zwischen ihnen ab.

„Pakmal, mein Freund, was hast du da bloß wieder zusammengebraut?“, fragte Herr Tschichek Grosz und schnupperte in das ausströmende Aroma, das er sich mit der Handmuschel zufächelte.

„Nur vom Besten, wirklich nur vom Besten. Ich habe schwarzen Tee mit Wasser und Milch gekocht, dann noch das ein oder andere Stängelchen Zimt, eine Prise hiervon, einen Krümel davon. Du kennst mich doch, Tschich.“

„Jesses, ich hätte es wissen müssen. Und nun gieß ein.“

Geraume Zeit saßen die beiden schweigend auf dem Balkon und hielten die heißen Tassen zwischen den Fingern. Gelegentlich nippten sie und mussten schmunzeln, wann immer sich ihre Blicke trafen. Ein geheimnisvolles Einverständnis umgab sie, welches nur gute Freunde nachvollziehen können. Es hüllte sie ein wie der Geruch blühenden Thymians. Beide rochen es und waren glücklich darüber, dass es den anderen gab. Gar nicht viel musste gesprochen werden und doch verstand der eine, was der andere sagen wollte. Zu gut wusste Pakmal, was es zu bedeuten hatte, wenn der Freund seinem heiteren Blick nur kurz standhielt, dann die Augen auf seine groben Fingerkuppen senkte und zu lächeln begann. War da nicht sogar ein verschämtes Erröten auf Herrn Tschichek Grosz’ Wangen auszumachen?

„Dann ist es also tatsächlich passiert“, brach Pakmal Nump nach einer Weile das Schweigen und strich sich über den Hinterkopf. Herr Tschichek Grosz nickte bloß.

„Wer hätte das für möglich gehalten!“

Für Pakmal Nump schien es völlig klar, was mit seinem Freund passiert war. Jedes weitere Wort wäre unnütz gewesen.

So kam es auch, dass sich Herr Tschichek Grosz bald nachdem sie ihren Tee ausgetrunken hatten, verabschiedete, die leeren Körbe aufnahm und zur Straße hinaus schlenderte. Pakmal sah ihm lange vom Balkon aus nach und wäre um ein Haar auf einer Perle ausgerutscht. Gerade noch rechtzeitig konnte er sich am Geländer abstützen, um anschließend nach dem zu suchen, was ihn um den sicheren Stand gebracht hatte. Unter dem Stuhl fand er winzige Perlen, die er sorgsam im Sonnenlicht untersuchte. Kein Zweifel: es war echtes Perlmutt. Sie mussten seinem Freund aus den Hosentaschen gerieselt sein, dachte er sich, sprang auf und rief dem Fischer hinterher. Doch dieser war bereits um die nächste Ecke verschwunden. So blieb Pakmal Nump mit einem rätselhaften Häuflein Perlen allein zurück.


(...) Wegen dieser unerhörten Angelegenheit mit den Perlen hatte Herr Tschichek Grosz auf Anraten seines Freundes sogar einen Arzt konsultiert. Dr. Lumpidumpang, welcher von sehr weit herkam, einen ausgezeichneten Ruf genoss, dementsprechend spät zu Abend aß, und mit seiner Frau drei bildhübsche Töchter großzog, hatte ihm lange in die Ohren geschaut, ihn Kniebeugen machen lassen, um schließlich seinen Bauch mit kalten Fingerkuppen abzutasten. Doch das half alles nicht, eine Erklärung für den Perlensegen zu liefern. Gleichermaßen ratlos wie fasziniert, konnte der Arzt nicht umhin, Herrn Tschichek Grosz mehrmals unter den Achseln zu kitzeln, weil er zu beobachten wünschte, wie wieder und immer im selben Ablauf nach dem Lachen eine Perle aus dem Nabel hüpfte.

Glücklicherweise brauchte Herr Tschichek Grosz anschließend nichts zu bezahlen, da dem Arzt, nachdem er seinen Patienten noch zweimal gekitzelt hatte, die herumliegenden Perlen Bezahlung genug gewesen waren. Für seine Frau und seine Töchter wollte er Ohrringe daraus fertigen lassen. In der Tür hatte Herr Tschichek Grosz noch einmal eindringlich darum gebeten, seine "Krankheit" im höchsten Maße vertraulich zu behandeln, woraufhin sich Dr. Lumpidumpang nur an die Nase tippte, um etwas von "Schweigepflicht, Herr Grosz, Schweigepflicht!" zu murmeln. Leider waren die hellhörigen Töchter des Doktors nicht an selbige gebunden, so dass bereits am darauffolgenden Tag halb N von Herrn Tschichek Grosz' sonderbarem Leiden wusste. Wo immer er jetzt auftauchte, scharte sich in Windeseile ein halbes Dutzend Menschen um ihn. Sie wagten es kaum einmal, ihren starren Blick von seinem Bauch zu lösen, aus Angst, einen Perlensprung zu verpassen ...