
IDENTITÄT UND ORDNUNG
Entwürfe des "Eigenen" und "Fremden" in deutschen
Kolonial- und Afrikaromanen von 1889 bis 1952
AISTHESIS-Verlag 2011, ISBN 978-3-89528-792-3,
339 Seiten, kart. EUR 34,80
Die vorliegende Arbeit über den Zusammenhang von Identität und Ordnung entwickelt ein Instrumentarium zur Analyse der Darstellungsebene von deutschen Kolonial- und Afrikaromanen, um eine strukturelle Vergleichbarkeit entworfener Weltbilder zu erreichen. Da jede Form von Ordnung nur in abgegrenzten Räumen zur Entfaltung kommt, bietet sich in zeitlicher wie geographischer Hinsicht der deutsche Kolonialismus als Versuchsfeld an, um nationalen wie utopischen Tendenzen nachzuspüren.
Immer ist der literarischen Fixierung von »eigen« und »fremd« ein Machtanspruch eingeschrieben, und erst das Aufweichen der Kategoriengrenzen markiert den Eintritt in eine postkoloniale Afrikaliteratur. In diesem Kontext entpuppen sich die Weltkriege als alle Darstellungsbereiche affizierende Kategorienschmelzen. Mit der brüchig gewordenen Ordnung gerät auch die figurative Identität in den Einfluss von Überformungsprozessen. Auf die Dynamisierung reagierten die Autorinnen und Autoren mit einem Arsenal von Entlastungsstrategien, um ihre Weltbilder zu stabilisieren. Die untersuchten Romane dienen folglich als Modell für eine Auseinandersetzung mit den Größen von Identität, Ordnung, Dynamik und Komplexität und bilden deutsche Mentalität von 1889 bis 1952 ab, von der das, wofür Afrika und das »Fremde« steht, integraler Bestandteil war.
Inhalt:
- I Einleitung
- II Identität und Ordnung
- 2.1 Die basale Dichotomie und abgeleitete Kategorien
- 2.2 Figuration und Ensemble
- 2.3 Ordnung und Utopie
- III Deutsches Afrika – ein historischer Abriss
- IV Forschungsstand zur deutschen Kolonial- und Afrikaliteratur und Relevanz der Arbeit
- V Auswahl der Romane
- VI Analyse der Darstellungsebene
- 6.1 Christian Benkard – Unter deutschen Palmen
- 6.1.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.1.2 Das Fremde I – Europa in Afrika
- 6.1.3 Das Fremde II – Afrikabilder
- 6.1.4 Kategorien der Darstellung
- 6.1.5 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.2 Frieda von Bülow – Im Lande der Verheissung
- 6.2.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.2.2 Das Fremde – Afrikabilder
- 6.2.3 Kategorien der Darstellung
- 6.2.4 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.3 Gustav Frenssen – Peter Moors Fahrt nach Südwest
- 6.3.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.3.2 Das Fremde – Afrikabilder
- 6.3.3 Kategorien der Darstellung
- 6.3.4 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.4 Richard Küas – Vom Baum der Erkenntnis
- 6.4.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.4.2 Das Fremde – Afrikabilder
- 6.4.3 Kategorien der Darstellung
- 6.4.4 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.5 Hans Grimm – Der Ölsucher von Duala
- 6.5.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.5.2 Das Fremde I – Europa in Afrika
- 6.5.3 Das Fremde II – Afrikabilder
- 6.5.4 Kategorien der Darstellung
- 6.5.5 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.6 Konrad Seiffert – Farm Naßlowhöhe
- 6.6.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.6.2 Das Fremde – Afrikabilder
- 6.6.3 Kategorien der Darstellung
- 6.6.4 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.7 Fritz Spiesser – Heimkehr
- 6.7.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.7.2 Das Fremde I – Europa in Afrika
- 6.7.3 Das Fremde II – Afrikabilder
- 6.7.4 Kategorien der Darstellung
- 6.7.5 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.8 Adolf Kaempffer – Das erste Jahr
- 6.8.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.8.2 Das Fremde – Afrikabilder
- 6.8.3 Kategorien der Darstellung
- 6.8.4 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- 6.9 Johanna Moosdorf – Flucht nach Afrika
- 6.9.1 Das Eigene – Darstellung deutscher Identität
- 6.9.2 Das Fremde I – Europa / U.S.A. in Afrika
- 6.9.3 Das Fremde II – Afrikabilder
- 6.9.4 Kategorien der Darstellung
- 6.9.5 Interpretation im Hinblick auf das Weltbild
- VII Ergebnisschau
- 7.1 Kategorien
- 7.2 Figuration
- 7.3 Ensemble
- VII Literaturverzeichnis
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Pressestimme:
Dass sich postkoloniale Ansätze auch auf die deutsche Literatur fruchtbar anwenden lassen,
ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr - [...] Hier nun schließt Daniel Schneider mit einer
umfassenden Untersuchung deutscher Kolonial- und Afrikaromane zwischen 1889 und 1952 an.
[...] Mit „Identität und Ordnung“ hat [er] einen guten Überblick über die Entwicklungen innerhalb
des Kolonial- und Afrikaromans zwischen 1889 und 1952 geboten und ein brauchbares Instrumentarium
zur Analyse solcher (und nicht nur deutscher) Texte in Hinblick auf die Konstruktion eigener Identität
in der Darstellung des „Fremden“ geliefert. [...]
Alexander Kluger in „Zeitschrift für Germanistik“ (1/2012)