Im Auftrag von Bogumil. Das verschollene Vermächtnis

Simak Büchel
Im Auftrag von Bogumil: Das verschollene Vermächtnis
Bogumil, Bd. 2
DIX Verlag, 334 Seiten, Hardcover, 14,90 EUR.
ISBN 978-3-941651-67-8

Wie eine sich sonnende Natter lag die Kapuzinerstraße zwischen den Häusern. Abendlicht spielte auf dem Kopfsteinpflaster, während sich in den Rinnsteinen bereits die Schatten sammelten. Ruhig lag alles da. Ein Taubenpärchen gurrte auf dem Fenstersims von Familie Fistels Wohnung und das ganze Viertel wirkte an diesem Samstag, dem vorletzen Tag der Sommerferien, wie ausgestorben.
Nur im Schatten einer Litfaßsäule lehnte ein Junge mit Bürstenhaarschnitt, der sich mit einem Taschenmesser die Fingernägel säuberte. Es war Rauli Klops, der so sehr in seine heikle Beschäftigung vertieft war, dass er nicht einmal von dem einzigen anderen menschlichen Wesen in seiner Nähe Notiz nahm.
Seit geraumer Zeit kauerte ein Fremder auf der Bank gegenüber von Fistels Haus. Sein Gesicht war blass und in der Kerbe unterhalb des rechten Nasenflügels saß ein knubbeliges Muttermal, das er immer wieder abstastete. Die Sonnenbrille war ihm ein Stück weit den Nasenrücken hinab gerutscht, über deren Gläser hinweg er die Straße im Auge behielt. Dabei balancierte der Mann ein Buch auf den Knien und tat so, als würde er darin lesen. Mit der angefeuchteten Fingerkuppe blätterte er um, bis seine Hand mitten in der Bewegung innehielt.
In diesem Augenblick bog aus östlicher Richtung ein Auto in die Kapuzinerstraße ein. Es war Fistels blauer Kombi. Sofort straffte sich die Gestalt des Mannes und er zischte in ein winziges Mikrofon, das in seinem Ärmel verborgen war: „Hier Bromelsam! Gnitz, hörst du mich?“ Und nach einer Pause: „Sag Kerf, sie sind da!“